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Die ehemalige Spielerin des Servette FCCF Fanny Margelisch ist heute Trainerin der U15 des Vereins. Sie spricht über ihr Verständnis von Ausbildung.


Kannst du deinen Weg als Fussballtrainerin zusammenfassen?

Ich fing zuerst im Breitenfussball an und machte die C- und C+-Diplome.

Danach, als der Verein eine Elite-Struktur ins Leben rief, wurde ich U17-Assistentin, womit ich auch mein B-Diplom absolvieren durfte. Heute bin ich Trainerin der U15.

Wie war deine Karriere als Spielerin?

Mit vier spielte ich mit den Jungs beim FC Saint-Paul. Als ich fünfzehn wurde, wechselte ich in die erste Mannschaft von Chênois, mit der ich vierzehn Saisons spielte. Danach spielte ich noch zwei Saisons mit der zweiten Mannschaft. Ab 2018 widmete ich mich vollumfänglich meiner Rolle als Trainerin.  

Du hast also zahlreiche Spielzeiten in der NLB bestritten. Wenn du drei Momente deiner Karriere hervorheben müsstest, welche wären sie?

Ja, tatsächlich. Meine erste Erinnerung ist mein erstes NLB-Spiel.

Dann gab es eine Saison, wo wir in die 1. Liga abgestiegen waren und wir wollten unbedingt wieder aufsteigen. Wir spielten in Worb. Sie mussten gewinnen, um aufzusteigen, aber uns reichte ein Remis. Viele Leute waren angereist, darunter auch eine Juniorenmannschaft aus Freiburg, der wir bei einem Turnier begegnet waren. Es gab wirklich eine gute Stimmung und wir gewannen diese Begegnung. Wir fuhren dann nach Genf zurück und der Betreiber des Clubhauses hatte uns zur Gratulation ein Essen vorbereitet. Es ist eine tolle Erinnerung.  

Sonst gab es auch ein Spiel in Lugano, es war der letzte Spieltag des Jahres. Um unseren Platz in der NLB zu retten, mussten wir unsere Tordifferenz pflegen, weil wir dieselbe Punktzahl wie Worb hatten, wenn ich mich richtig erinnere. Wir verloren mit 3-0. Aber beim Abpfiff erfuhren wir, dass die andere Mannschaft ebenso mit 3-0 verlor, so dass wir gerettet waren und in der NLB blieben.

Was löst es in dir aus, wenn du heute siehst, auf welchem Niveau die Mannschaft spielt?

Ich bin wirklich glücklich und stolz, dass die Mannschaft in der höchsten Liga und auf diese Art und Weise spielt. Es macht echt Spass, sie beim Spielen zuzusehen. Manchmal bedaure ich es, dass ich nicht am Aufstieg teilnahm.

Lange warst du sowohl Spielerin als auch Trainerin. Ist diese Situation einfach zu handhaben?

Das verlangt tatsächlich etwas Organisation, vor allem, weil die Trainingseinheiten am selben Tag stattfanden. Zuerst leitete ich das Training der Mädchen und dann war ich selber mit meinem Training dran.

Für die Spiele hatte ich allerdings viel Glück, weil sie selten gleichzeitig stattfanden.

Macht es mehr Spass, als Trainerin oder als Spielerin zu gewinnen?

Es ist zwar nicht dasselbe Gefühl, aber es macht in beiden Fällen Spass. 

Und die Niederlage? Ist sie mühsamer, weil man von der Bank aus machtlos ist?

Für mich ist die Niederlage tatsächlich mühsamer, wenn ich sie von der Bank aus erlebe. Danach reflektiere ich darüber, warum ich welche Entscheidungen getroffen habe und was ich den Mädchen nicht zu vermitteln wusste.

Hast du bis jetzt ausschliesslich Mädchen trainiert?

Ja.

Denkst du, dass man Mädchen anders als Jungs trainiert?

Ich denke, dass Mädchen verstehen wollen, warum wir eine Übung durchführen und was diese ihnen bringen wird. Deswegen hören sie besser zu. Sie versuchen ständig, sich zu verbessern, und fragen oft danach, zusätzliche Aufgaben zu bewältigen.  

Denkst du, dass du aufgrund deines Geschlechts eine andere Herangehensweise an den Tag legst?

Ich denke, dass der Unterschied von meinem Charakter und von meiner Sichtweise kommt, aber ich denke nicht, dass es eine Frage des Geschlechts ist.

Wie ist der typische Weg einer Spielerin deiner Mannschaft? Haben die meisten erst mit den männlichen Junioren gespielt, bevor sie dann zu einer Juniorinnenmannschaft gestossen sind?

Wir haben beides: Mädchen, die mit den Buben angefangen haben, und andere mit den Mädchen. Das Verhältnis ist ziemlich ausgeglichen.

Manche werden bei der U11 und der U13 vom Kantonalverband (ACGF) betreut und kommen dann zu uns in die U15. Andere Mädchen werden ganzjährig von uns betreut, damit sie dann in die Elite-Struktur kommen.

Sowohl im Männerfussball als auch im Frauenfussball ist also Servette an der Spitze der kantonalen Ausbildung? Und dies ab der Adoleszenz?

Ja, ab der U15. Davor werden die Jüngeren eben von der ACGF betreut.

Wie oft trainieren sie?

Sie haben drei bis vier Einheiten pro Woche. Am Montag, am Dienstag zusammen mit der U17, am Donnerstag mit Jérémy Faug-Porret für die Kondition und am Freitag, wenn nötig.

Am Samstag spielen wir dann gegen männliche C-Junioren.

Spielen sie denn nie gegen andere Mädchen?

Doch, gegen Mädchen spielen sie bei den Partnerschaftsturnieren. Es sind Turniere, die vom SFV für alle U15-Mannschaften der Schweiz organisiert werden.

Sie bestreiten dann drei Spiele an einem Tag. Die Nationaltrainer sichten bei diesen Begegnungen. 

Wieviele U15-Mannschaften gibt es in der Schweiz? Wird dementsprechend kein U15-Schweizer-Meister auserkoren?

Es gibt 12 U15-Mannschaften in der Schweiz, aber keinen schweizweiten Titel. In der U15 schauen wir nicht auf das Resultat, wir konzentrieren uns eher auf die Ausbildung der Spielerinnen.

Du hast die Nationaltrainer erwähnt. Ab welcher Alterskategorie gibt es eine Schweizer Nationalmannschaft?

Ab der U16.

Sind Spielerinnen des Servette FCCF im Kader?

Ja, wir haben Spielerinnen, die aufgeboten werden, aber bei uns spielen alle bereits mit der U17.

Gibt der Servette FCCF all seinen Nachwuchsmannschaften eine gemeinsame Spielphilosophie vor?

Selbstverständlich. Die Spielphilosophie des Servette FCCF geht von der ersten Mannschaft bis zu den Juniorinnenmannschaften.

Wie sieht sie aus?

Unsere Philosophie bestimmt die Qualität unseres Spiels dank Prinzipien und Entwicklungszielen, die wir in jeder Alterskategorie der Ausbildung vorfinden. Sie gibt uns Kriterien vor, die wir für die Beobachtung und die Analyse der Spielerinnen als Einzelne aber auch als Gruppe einsetzen. Sie orientiert die Gedanken sowie die Aktionen der Spielerinnen und der Trainer in dieselbe Richtung und bildet sowohl einen Ausgangspunkt als auch das Ausbildungsziel.    

In diesem Alter träumen die Jungs von einer Profikarriere und von Titeln. Wie sieht es bei den Mädchen aus?

Auch sie träumen von einer Profikarriere und von Titeln, aber sie sind sich des grossen Unterschieds zwischen dem Frauen- und dem Männerfussball bewusst. Sie merken, dass es für sie viel schwieriger sein wird, davon zu leben.  

Wie ist die Beziehung der Mädchen zur ersten Mannschaft des Servette FCCF?

Sie identifizieren sich mit ihnen. Weil sie das Ziel haben, in die erste Mannschaft zu kommen, lassen sie sich von ihnen inspirieren und versuchen, sie nachzuahmen. Sie interessieren sich für deren Weg und stellen mir oft Fragen darüber, wie es läuft, wo die Frauen gespielt haben, usw.  

Wie lief die Saison deiner Mannschaft vor dem Unterbruch?

Sie lief gut. Für manche Spielerinnen ist es das erste Jahr in einer Elitemannschaft. Sowohl auf dem Platz als auch daneben ist es ein Lernprozess. Es verlangt viel Engagement von den Mädchen. Sie sind sehr motiviert und hören gut zu, was die Arbeit und Zielerreichung vereinfacht. Ich bin sehr stolz auf die Art und Weise, wie die Mädchen trainieren. Sie zeigen einen grossen Willen.