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Paula Serrano (29) ist seit zwei Jahren im Verein. Zuvor spielte sie in der spanischen und in der italienischen Liga sowie in der Champions League.


*Die ersten Fragen dieses Interviews wurden vor der Unterbrechung der Meisterschaft gestellt. Sie waren als Präsentation des Spitzenkampfes gegen den FC Zürich gedacht. Die Antworten wurden beibehalten, weil sie relevant sind.*

Aufgrund einer Sperre von drei Spielen und der anschliessenden Verschiebung der Begegnung gegen Luzern wirst du am Samstag deinen ersten Ernstkampf seit Mitte Dezember bestreiten. Freust du dich wieder auf den Wettkampf?

Nach dieser langen Zeit kann ich es kaum erwarten. Für mich war es nicht einfach, soviel Zeit ohne Ernstkampf zu sein. Ich möchte immer alle Spiele bestreiten.

Ist es weiterhin ein Vorteil, zu Hause zu spielen, auch wenn das Spiel hinter verschlossenen Türen stattfindet?

Zu Hause zu spielen, ist immer ein Vorteil, auch hinter verschlossenen Türen. Klar ziehen wir es vor, vor unseren Fans zu spielen, aber es ist unser Platz und wir haben hier unsere Gewohnheiten. Mit oder ohne Publikum müssen wir immer alles geben.

Du gehörst zu den wenigen Spielerinnen des Kaders, welche den NLA-Titel bereits gewonnen haben. Dies war nämlich mit Neunkirch in der Saison 2016-2017. Der FC Zürich wurde Zweiter. Wie beurteilst du das Niveau des aktuellen FCZ im Vergleich zu demjenigen vor drei Jahren?

Es ist ein vergleichbares Niveau mit derselben Methodologie, die allerdings von anderen Spielerinnen umgesetzt wird. Zürich hat immer gute Spielerinnen und seine Leistungen waren in den letzten Jahren immer ausgezeichnet.

Wie in anderen Ländern ist das Niveau des Schweizer Frauenfussballs in den letzten Jahren gestiegen. Wir finden bessere Bedingungen und Infrastrukturen vor, um unsere Leistungen zu verbessern. Die Mannschaften profitieren enorm davon.

Welches Ziel hast du für diese Saison?

Das Hauptziel ist die Qualifikation für die Champions League. Es gibt noch viele Spiele und am Schluss sehen wir dann, wo wir stehen. Bis dahin arbeiten wir, um das Beste herauszuholen.

Du hast schon Erfahrung in der Champions League…

Ja, mit Torres Femminile spielte ich erstmals in der Champions League. Es war eine tolle Erfahrung, die ich mit dem Servette FCCF wieder erleben möchte.  

Und in deinem ersten Champions-League-Spiel gegen Pomurje (Slowenien) hast du sogar dein erstes Tor geschossen! Aber danach seid ihr gegen Frankfurt ausgeschieden. In welchem Land würdest du gerne spielen, wenn sich Servette für die Champions League qualifiziert?

Ich möchte gerne in meinem Land, in Spanien, spielen. Oder in Italien. Es sind zwei Ligen, die ich ziemlich gut kenne, und, wenn wir uns qualifizieren, möchte ich gerne dort spielen.

Du hattest das Glück, in diesen beiden grossen Ligen zu spielen. Was unterscheidet sie von der Schweiz? Wovon soll sich die Schweiz inspirieren lassen, was du in Spanien und in Italien gesehen hast?

Die Fussballkultur dieser beiden Länder ist unterschiedlich, aber beide sind etwas professioneller und kämpfen dafür, dem Frauenfussball seinen verdienten Platz sowie den Frauen Rechte als Fussballerinnen zu gewähren. Spanien hat ihren ersten Tarifvertrag hingekriegt und das ist ein grosser Schritt nach vorne.  

Ich denke, dass sowohl die Schweiz als auch alle anderen Länder diesen Weg gehen sollten, denn man sieht die Resultate. Man sollte sich vom Kampf für den Frauenfussball in diesen Ländern inspirieren lassen.

Als du jünger warst, hättest du gedacht, dass du im Ausland Karriere machen würdest?

Bis ich die Möglichkeit bekam, hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages ins Ausland gegangen wäre. Ich habe jahrelang in Spanien gespielt und als ich die Chance bekam, ein neues Abenteuer zu erleben, habe ich nicht gezögert. Somit konnte ich eine andere Spielweise und eine neue Trainingsmethodologie kennenlernen. Dank dieser Erfahrung konnte ich als Mensch wachsen, ich würde es auf jeden Fall wieder machen.

Wie bist du in die Schweiz gekommen?

Nach der Zeit in Italien ging ich für eine Saison nach Spanien zurück. Ich spielte bei Granada CF. Dann kam ich in die Schweiz. Nach meiner Erfahrung in Italien kam ich mit der gleichen offenen Denkweise hierhin. Nach der Zeit in Neunkrich spielte ich bei Madrid CF und dann kam ich zu Servette.

In Neunkirch hast du 2017 zusammen mit Sandy Maendly und Alyssa Lagonia Cup und Meisterschaft gewonnen. Redet ihr manchmal davon mit der Mannschaft?

Nein, wir haben davon nicht erzählt, es ist eine andere Mannschaft und eine andere Situation. Die anderen wissen, dass wir mit Neunkirch Schweizer Meister geworden sind, aber wir kommentieren nicht und wir vergleichen beide Situationen nicht miteinander, weil die aktuelle Saison wirklich anders ist.  

Du bist nicht nur Spielerin, sondern auch Trainerin. Welche Altersklasse trainierst du? Möchtest du nach deiner Karriere als professionelle Trainerin arbeiten?

Zurzeit trainiere ich die U11 des Servette FC. Ich möchte gerne vollamtlich im Fussball bleiben. Sei es als Trainerin oder aber auch im Scouting. Letzteres interessiert mich wirklich sehr, aber so lange es mit dem Fussball zu tun hat, könnte ich alles machen.

Auf jeden Fall hast du im Fussball bereits deine Spur hinterlassen, denn ein Fussballplatz in deiner Geburtsstadt trägt deinen Namen. Bist du stolz darauf?

Ja, es ist ein grosser Stolz, denn sie anerkennen somit den Aufwand und das Opfer, was ich in all den Jahren gebracht habe. Es ist eine grossartige Geste und ich bin den Leuten sehr dankbar, die meinen Namen für diesen Platz vorgeschlagen haben.

Wie beschäftigst du dich in dieser Woche?

Meine erste Beschäftigung ist die Umsetzung des Trainingsprogramms unseres Athletiktrainers, um so wenig wie möglich von meiner Verfassung zu verlieren. Ansonsten nutze ich die Zeit, um mein Scouting-Studium voranzubringen. Ich lese, surf im Internet oder schaue fern…

Wie viele Fussballspiele schaust du während einer normalen Woche?

Eins oder zwei. Die Schweizer, spanische oder italienische Liga, je nachdem welche Spiele anstehen und welche Möglichkeiten zur Visionierung ich habe.

Die Ligen wurden eingefroren. Welche vermisst du am meisten?

La Liga.

Hättest du eine kulturelle Empfehlung (Buch, Musik, Film, Serie, Rezept…) für die Leute, die sich langweilen?

Ich koche sehr gerne. Und seitdem ich in Italien gelebt habe, mag ich die Crostata. Ich empfehle allen, diesen Kuchen zu Hause zu backen. Er ist wirklich lecker.  

Vor ein paar Tagen kündigte die UEFA die Verschiebung der Männer-EM an. 2021 soll auch die Frauen-EM stattfinden. Denkst du, dass es eine gute Idee ist, beide EM nacheinander zu veranstalten oder bist du eher der Meinung, dass die Frauen-EM 2022 stattfinden sollte, da die WM in Qatar erst im Winter stattfindet?

Ich denke, dass es besser wäre, wenn beide EM gleichzeitig stattfänden. Somit könnte der Frauenfussball einen neuen Level erreichen. Es würde dem Frauenfussball helfen, mehr Visibilität und mehr Werbung zu haben. Es wäre sehr cool für den Fussball, wenn du vor dem Fernseher zu Hause oder bei deinen Freunden sitzen würdest, und Frankreich-Spanien der Frauen-EM und zwei Stunden später Deutschland-Niederlande der Männer-EM sehen könntest, ohne den Kanal zu wechseln. Es wäre sehr interessant und die Leute könnten von unterschiedlichen Fussballarten profitieren.   

Zurzeit ist die Männer-EM von Juni bis Juli und die Frauen-EM von Juli bis August geplant, aber die UEFA sollte wirklich deinen Vorschlag in Erwägung ziehen!

Zum Abschluss drei Adjektive, die dich beschreiben?

Wettkampfliebend, konstant, fleissig.