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Die 24-jährige Lucie Périllard erlebt ihre vierte Saison bei Servette. Die Spielerinnen begleitet sie durch die wachsenden Ambitionen, aber auch durch Verletzungen hindurch.


Wie bist du zum Servette FCCF gekommen?

Unsere Verantwortliche Isabelle [Piller-Boada] hatte der Physio-Schule eine Nachricht gesandt. Der Verein spielte noch in der NLB und wollte mehr Behandlungszeiten anbieten. Deswegen suchte sie nach Studenten, die ihr helfen und gleichzeitig die Sportwelt entdecken wollten. Es war vor drei Jahren.

Zu dieser Zeit bildete sich also der aktuelle Physio-Staff, der Isabelle, Julien Lligona, Inès Berrahma und dich umfasst?

Genau, wir besuchten alle die Physio-Schule und auch sie folgten dem Ruf wie ich.

Wann hast du entschieden, als Physio Karriere zu machen?

Zu Beginn wollte ich Osteo werden, aber es ging mit der Schule nicht auf, denn es wurden gute Schweizerdeutsch-Kenntnisse gebraucht, was nicht mein Fall ist. Dann interessierte ich mich für paramedizinische Berufe. Vor ca. fünf Jahren machte ich trotzdem Osteopathie-Praktika, aber auch welche im physiotherapeutischen Bereich, und da entdeckte ich, dass Letzterer mir noch besser entsprach. Die postoperative Rehabilitation, den Leuten zu helfen, sich wieder zu bewegen, Ihren Tätigkeiten wieder nachzugehen, …

Nun hast du dein Studium beendet und arbeitest in einer Praxis. Arbeitest du neben deiner Servette-Tätigkeit auch Vollzeit?

Ich habe ein 100%-Pensum…nein! Ein 95%-Pensum, um genau zu sein, denn am Freitagnachmittag gehe ich früher von der Arbeit weg, um die Behandlungen im Sportszentrum von Balexert vorzunehmen. Ich komme also am Freitag und dann jede zweite Woche oder einmal im Monat zu einem Spiel. Das ist unterschiedlich.

Welches System wurde von euch Physiotherapeuten eingerichtet, um den Bedürfnissen der Mannschaft nachzukommen?

Wir behandeln montags, mittwochs und freitags. Montags und mittwochs sind zwei Physiotherapeuten anwesend, was Behandlungen vor und nach dem Training gewährleistet. Freitags bin ich vor und während der Trainingseinheit da. Wenn es nötig ist, bleibe ich auch danach. Ich habe eine einzige Schicht, dafür etwas länger.  

Spiele am Wochenende und vor allem Auswärtsreisen sind ein grosser Aufwand, oder? Welche ist deine Motivation?

Klar ist es hart, wenn man nebenbei noch arbeitet, aber es macht Spass. Für mich ist eine Auswärtsreise, sowie ein Heimspiel eigentlich auch, immer eine gute Zeit. Auch wenn wir verlieren. Ich schätze es sehr, mit diesem sehr coolen Staff zusammenzusein. Die eingeschworenen Spielerinnen bilden eine echte Mannschaft und es macht immer Spass, mit ihnen Zeit zu verbringen.

In welchem Umfang empfindest du eine besondere Beziehung zum Ergebnis?

Als Physio und Medical Staff sollte man normalerweise nur seinen Job machen und nicht Fan der Mannschaft sein. Aber wenn die Mannschaft verliert, bin ich für die Spielerinnen schon enttäuscht, aber ich bin auch sehr glücklich, wenn sie gewinnen.

Das heisst, dass das, was dich antreibt und dir Spass bereitet, tatsächlich die Stimmung in und die Beziehung zu der Mannschaft sind?

So ist es. Auch am Freitag nach einem langen Arbeitstag freue ich mich darauf, noch ein paar Stunden zu arbeiten, denn es macht wirklich Spass.

Seit deiner Ankunft zeigt die Leistungskurve von Servette nach oben. Der Aufstieg in die NLA, einen Platz in der oberen Tabellenhälfte und dieses Jahr die Qualifikation für die Champions League als Ziel. Hast du den Eindruck, dass sich deine Arbeit auch mit den Fortschritten des Klubs weiterentwickelt?

Es hat sich verändert, klar. Erstens greifen wir öfter ein. Wir versuchen ausserdem eine effizientere Kommunikation mit dem Mannschaftsarzt und mit dem Athletiktrainer, den es früher nicht gab, auf die Beine zu stellen. Wir leisten eine enorme Präventionsarbeit und wir versuchen, so viele Spielerinnen wie möglich zu behandeln… Wir haben nun auch mehr Mittel und Material zur Verfügung. Es hat sich weiterentwickelt und entwickelt sich ständig weiter. Wir versuchen, es immer besser zu machen.   

Unlängst hast du für deine Abschlussarbeit einen schweizweiten Preis bekommen. Kannst du uns mehr dazu sagen?

Meine Abschlussarbeit war über… der genaue Titel ist etwas lang: Welche sind die psychosozialen Faktoren, die die Rückkehr zum Sport bei einem am vorderen Kreuzband operierten Sportler beeinflussen. Es handelt von den Problemen, die ein Sportler abgesehen von den physischen haben kann, um zum Sport zurückzukehren.

Welchen Preis hast du bekommen?

Wir – weil wir die Arbeit zu zweit geschrieben haben – haben den ersten Preis für das Plakat erhalten. Wir mussten ein Plakat vorbereiten, um es dann vor einer Jury vorzustellen und um unsere Bachelorarbeit damit zu erklären. Wir haben auch den ersten Preis für die beste Bachelorarbeit bekommen. Es war ein Preis von Physioswiss.

Setzt du deine Erkenntnisse in die Praxis mit der Mannschaft um?

Ja, bestimmt. Das Thema habe ich auch aufgrund der Mannschaft gewählt. Leider hatten wir ein paar Spielerinnen, die sich das vordere Kreuzband gerissen hatten. Ich konnte mich mit ihnen austauschen, fragen, wie die Rehabilitation lief, welches Gefühl sie für die Rückkehr zum Sport hatten. Auch wenn sie keine weiteren Probleme hatten, fragte ich mich, was sie in einer solchen Situation empfinden könnten. Daraufhin sprach ich mit meiner Partnerin davon und das gefiel ihr gut.  

Heute kann ich die Erkenntnisse unserer Forschung sowohl in der Physiopraxis als auch im Verein anwenden. Für jede Verletzung muss man das Empfinden des Patienten berücksichtigen.

Wenn du so viel Zeit mit einer Fussballmannschaft verbringst, bekommst du keine Lust, selber zu spielen?

[Lacht] Nein, ich bin bereits mit anderen Sportarten beschäftigt. Reitsport ist für mich sehr wichtig. Ich treibe aber auch Freizeitsport wie Laufsport – ich laufe den Halbmarathon –, Velo oder Ski. Ich habe den grössten Respekt vor unseren Spielerinnen, denn Laufen ist das eine, aber es mit einem Ball am Fuss zu tun, genaue Pässe zu spielen, usw., das ist ganz eine andere! Ich könnte es so formulieren: es ist nichts für mich!